Archiv → März 2010

Sing ein Liedchen und du darfst hier schlafen …

Na so was aber auch! Vielleicht bin ich der Einzige, der keine Ahnung davon hatte, aber das scheint wirklich ein starkes Stück zu sein! Das Perfomance Hotel in der Gablenberger Hauptstrasse. Schaut euch die tollen Bilder an und lest, was dahinter steckt. Ich muss da ganz bald hin, und werde nackig einen 4-stündigen Kopfstand machen, um dann mit hochrotem Kopf dort übernachten zu dürfen. Ja, ein guter Plan sich sein Bettchen für eine Nacht zu verdienen, aber bestimmt nicht der Einzige.

Selbst der SPIEGEL schrieb einen feinen Artikel darüber.

Sachen gibts, die glaubt man kaum.

Das Beispiel des Gängeviertels in Hamburg zeigt, was möglich ist, wenn eine Initiative stark wird. Dazu ein aktueller Artikel der BILD-Zeitung (!), der einen ganz ordentlich entzücken und staunen lassen kann. Viel Glück Hamburg, und weiter so!

Raum suchen, Raum finden!

Im September müssen die Waggon-Leute die wunderfeine und bunte Wagenkolonie am Nordbahnhof verlassen. Nach dann 11 Jahren ist dort endgültig Schluss. Und weils dennoch weitergehen soll, wenn auch an anderer Stelle, braucht es neuen Raum. Ich glaube wir täten gut daran die Augen und Ohren offen zu halten, um genau diesen zu finden. Dazu ist es wichtig mitzuteilen, wenn irgendjemandem irgendwo etwas auffällt, was dafür eventuell infrage käme. Manchmal passierts ja, dass man vom hören-sagen etwas mitbekommt, und wer was weiss, darf sich gerne melden.

Es ist zu wenig nun einfach aufs Glück zu hoffen, dass sich etwas auftut. Und sollte es Ideen geben, spräche nichts dagegen, diese der Stadtverwaltung mitzuteilen. Denn ob Subkultur oder nicht: Die Waggons haben diese Stadt über viele Jahre hinweg bereichert und mit Kultur beschenkt, und dahinter sollte man sich alles andere als verstecken.

Tipps sind herzlich willkommen.

waggons

Der Palast der Republik

palast

“Ganz Gallien ist von den Römern besetzt… Ganz Gallien? Nein, ein kleines Dorf leistet immer noch erbitterten Widerstand …”

Das fällt mir immer wieder ein, denke ich an den Palast der Republik im Herzen Stuttgarts. Umgeben von Banken, schicken Lokalitäten und sehr viel mehrspuriger Strasse geniesse ich dort seit mehr als 16 Jahren das mir unbekömmlichste Bier der Stadt. Letzteres ist leicht zu verkraften, schätze ich die Ungezwungenheit dieses Ortes doch so sehr. Menschen aller Couleur zieht es zu allen Jahreszeiten dorthin, vor allem natürlich im Frühling und im Sommer. Ein kleines bisschen Innenstadt-Urlaub ist mir das geworden, Sonne zu erhaschen, bevor es in den Abend geht. Ja, die Liebe zu diesem ehemaligen Klohäuschen, das unter Denkmalschutz steht, bleibt weiter ungebrochen. Urbanes Leben dieser Art suche ich in Stuttgart ansonsten vergeblich, am Palast werde ich fündig. Vielen lieben Dank dafür, auf die nächsten 100 Jahre.

Nutzlos aufgerissener Arsch?

Mit meinem Vorhaben, das größte Loch der Welt zu graben – oder besser gesagt graben zu lassen – hab ich eine ganze Menge Gegner des Großwahnprojektes Stuttgart21 kennengelernt. Der eine oder andere liebäugelt sogar mit der LOCH21-Idee. Kein Wunder: Mein Großwahnprojekt ist glamouröser als das der Bahn und ihrer Kumpels. Und wenn schon gebaut wird, dann richtig.
Hoffnungsloser Kampfeswille
Gestern fragt mich doch einer, ob ich eigentlich glaube, dass man S21 noch aufhalten könne. Als LOCH21-Aktivistin sprang mir ein entschlossenes “Ja” förmlich auf die Zunge, aber da ich mir den gut geschmierten Apparat anschaute, der hinter S21 steht, kamen mir da so die Zweifel. Nein. In einem spontanen Anfall von Ehrlichkeit hab ich dann doch einfach “Nein” gesagt. Warum ich mir dann den Arsch so aufreiße, wollte der andere wissen. Hoffnungsloser Pessimismus ist eigentlich nicht mein Metier, drum verunsicherte mich die berechtigte Frage erst mal. Ist nicht bedingungsloser Glaube, wenn auch irrationaler, der beste Motor? Wie will man einen Kampf kämpfen, wenn man den Sieg nicht im Kopf hat? Ein Blick in mein Samuraihandbuch, dass ich in Kampfsituation gerne konsultiere, machte mich auch nicht schlauer. Vielleicht sollte ich meine Definition von Sieg mal hinterfragen.
Wer zahlt, bestimmt?
Wird S21 aufgehalten, dann ist ja alles gut. Doch was wenn nicht? Stuttgart wird sich ändern. Einiges wird wegfallen: Bäume, Wagenhallen und viele andere Dinge, die wir lieb gewonnen haben. Dafür entsteht viel neuer Platz. Und dieser wird natürlich meistbietend von der Bahn verkauft. Wer wissen will, wie Stuttgart mit neuen Flächen umgeht, darf gerne mal einen Ausflug machen und sich vom Charme des Pariser Platzes überzeugen. Stuttgart wird neu gestaltet. Doch von wem? Wie immer: von dem, der das Geld in der Tasche hat. Und wer vertritt eigentlich den Willen der Bürger, die letztendlich die Kosten durch ihre Steuern tragen und mit der Baustelle leben müssen? Eine demokratisch gewählte Regierung. Und die hofft, dass bis zur nächsten Wahl alles vergessen und verdrängt ist. Das wird ihnen gelingen, wenn der Bau von Stuttgart21 reibungslos von statten geht. Die meisten werden vergessen haben, dass es viele schlaue Alternativen gab, die einfach unter den Teppich gekehrt wurden. “Wer hätte denn ahnen können, dass das Ganze so schlimm wird?” werden einige fragen, und es liegt an uns, Ross und Reiter zu nennen.
Getriebesand gegen Verdeckungsteppiche
Wenn wir Sand ins Getriebe werfen und den Teppich lüpfen, können wir Stuttgart 21 vielleicht nicht verhindern. Aber eines werden wir schaffen: Bewusstsein. Bewusstsein dafür, wer uns die Scheiße eingebrockt hat. Und wenn Politiker um ihre Wähler bangen, werden sie hellhörig. „Stuttgart ist unsere Stadt. Wir gestalten unsere Zukunft selbst!“ werden sie es rufen hören. Stopp. Ich werde schon wieder überschwänglich. Na und? Ich hab immerhin einen guten Grund für zuvor erwähntes Arschaufreißen gefunden. Würde jeder, der nicht an die Aufhaltbarkeit von S21 glaubt, zu Hause bleiben und den Mund halten, hätten wir bald Stuttgart22: Die Tieferlegung des Flughafens.

Der Kessel bleibt bunt!

Ja, es tut sich was in unserer Stadt. In letzter Zeit entstehen mehr und mehr Aktionen und Initiativen, die sich für Stuttgart auf ihre Weise engagieren wollen. So auch das Soundmann Tonstudio im Zusammenspiel mit der Röhre. Das Ganze nennt sich “Der Kessel bleibt bunt”. Hier ein Auszug der Macher:

Das nun endlich Realität werden zu lassen, haben die Soundmänner auch ihrer Wut
über das Aus für die Röhre wegen Stuttgart 21 zu verdanken. So kam’s dann auch
dazu, dem Ganzen mit dem Titel „DER KESSEL BLEIBT BUNT!“ ein trotziges
Statement mit auf den Weg zu geben. Denn eine glattgebügelte, kommerzialisierte
Kulturlandschaft wie sie Stuttgart 21 mit sich bringt, ist das Gegenteil von bunt. Und
wenn die Röhre, das Rocker, der Landespavillon und das Nordbahnhofgelände mit
Wagenhallen und Waggons verschwinden, werden uns in Zukunft auch mehr als nur
einige liebgewonnene Veranstaltungsorte fehlen.

Und hier der konkrete Aufruf an die Bands:

Am 28. Mai 2010 veranstaltet das Soundmann Tonstudio gemeinsam mit der Röhre
unter diesem Motto ein feines Punkrock Konzert in Stuttgart. Zwei von drei Combos
stehen mit Supermug und Parkhaus bereits fest.
Die dritte Band wird noch gesucht.
Ab dem 1. April 2010 kann sich jede Band bewerben, die im Bereich Punkrock,
Rock´n´Roll oder artverwandter Musik zuhause ist und unsere Jury davon
überzeugen kann, dass sie auf der Bühne gut abgeht und die Röhre rockt.
Die Bewerbung ist denkbar einfach: Eine Mail mit Infos und einem Link zu Songs
oder Videos der Band (z.B. myspace o.ä.) an
derkesselbleibtbunt@dersoundmann.de
senden.
Alle Infos zur Bewerbung gibt es ab dem 1. April 2010 auch auf
www.dersoundmann.de

Aerobic-Workshop auf dem Marienplatz?

.marienplatz

Der Marienplatz. Unendliche Weiten auf Beton. Im Ernst, ist es das, was die Leute von heute wollen? Freifläche und Raum sind feine Dinge, aber spricht denn etwas dagegen, diesen Platz ein wenig freundlicher zu machen? Ein bißchen Rasen hier und da, ein paar Bänke drumherum. Wie immer ist das vorallem eines: Geschmackssache. Was aber, würde beispielsweise jemand auf die Idee kommen, einen Aerobic-Workshop auf dem Marienplatz anzubieten? Ideen dieser Art könnte man durchaus mal angehen.

Und wenn man sich fragt, warum der Marienplatz so aussieht, wie er aussieht, möge man hier die Antwort finden. www.beton.org? Ah, verstehe. Dazu ein Zitat der Seite:

“Die schöne Leichtigkeit schließlich resultiert aus der individuellen Farbstellung Goldgelb in Kombination mit Edelsplitten im stahlkugelgestrahlten Plattenvorsatz. Der Projektname ist Programm: Sonnenplatz.”

Stuttgart gestalten!

So ist das eben, wenn man sich auf unprofessionelle Weise an eine Sache macht: “Für mehr Partizipation in Stuttgart” verschwindet und wird nun endgültig durch “Stuttgart gestalten!” ersetzt. Partizidingsbums stellte sich als Zungenbrecher heraus und verschluckt beim Plakate- und Flyermachen zu viele Buchstaben, braucht viel Platz, ist sperrig und womöglich sogar unnötig verkopft. Stuttgart gestalten? Ja, sehr gerne. Und los.

Temporäre Zwischennutzung eines Mülleimers

Das hier ist mein Lieblingsmülleimer in Stuttgart, bzw. war er das. Mittlerweile wurde er selbstredend wieder ordnungsgemäß angebracht. Mir gefällt hieran, dass Menschen, die in Mülleimern nach nutzvollen Dingen suchen, ohne sich zu verrenken hineingreifen können. Denn vor einiger Zeit kam irgendein findiger Entscheider auf die Idee, die Mülleimer in Stuttgart so konstruieren zu lassen, dass ebene jene Menschen (im Volksmund oft Penner genannt) es sehr schwer haben mit ihren Händen dort etwas zu herauszuholen.

Von der Idee, zusammen eine Theke zu bauen

Könntet ihr euch für die Idee erwärmen, zusammen am 8.5. vor der Wagenhalle eine Theke zu bauen? Jeder bekäme ca. 2 qm Fläche zur Verfügung, und könnte so seinen eigenen Thekenabschnitt verwirklichen, je nach eigenem Geschmack. Material wäre vorhanden.