Mein kleines Erlebnis im Landtag

Letzten Samstag gabs im Landtag den Tag der offenen Tür. Da liess ichs mir nicht nehmen und begab mich alleine und ungetarnt (ohne Sticker oder dergleichen) dorthin.
Die Politik ansich musste ich erst ein bisschen suchen, fiel doch vor allem die Leistungsschau verschiedener Händler ins Auge. Da gabs unter anderem Apfelsaftstände, Schinkenbuden und eine Maultaschenverkaufsschau. Dann entdeckte ich die Info-Ecken der verschiedenen Parteien. Als jemand, der keiner einzigen Partei wirkliches Vertrauen schenken kann, behielt ich mir eine gewisse Neutralität und hatte somit auch kein dringendes Bedürfnis mich an irgendeinem dieser Infostände heimisch zu fühlen. Auch gezieltes Gebäffe oder Austeilen war nicht Bestandteil meines Vorhabens.
Und so ergab es sich, dass ich auf meinem leidlich neugierigen Rundgang der Geschehnisse direkt von einem FDP-Politiker angesprochen wurde: Hagen Kluck.

hagen

Wer ist Hagen Kluck? Ich wusste es auch nicht. Im Nachhinein habe ich gelernt, dass dieser Mann seinen Wehrdienst bei den Panzeraufklärern in Eutin machte. Auf einer Webseite, die lange vor der Erfindung des Internets entworfen wurde, lässt sich das nachlesen.

Aber der Reihe nach. “Junger Mann, kann ich ihnen helfen?”. So fing es an. Ich wandte mich zu ihm und gesellte mich an dessen Stehtisch. “Ach was, euch gibts noch?”, entgegnete ich ihm geistesgegenwärtig. Natürlich gebe es sie noch, warf er erhobenen Hauptes zurück. “Und was machen sie, sollte es kein Wachstum mehr geben? Gibt es sie dann immer noch?”, fragte ich ihn. “Selbstverständlich, schliesslich haben wir das Wachstumsbeschleunigungsgesetz auf den Weg gebracht!”, antwortete er mir. “Ah, dieses wunderbare Wort. Finden sie diesen Begriff nicht auch ein wenig seltsam?”, entgegnete ich ihm. “Naja, so ganz glücklich ist diese Wortwahl vielleicht nicht”, sagte er.

Dann begann er mir die Sache mit der Freiheit zu erklären, wie sehr sich die FDP dieser Thematik schon immer verpflichtet fühlte. Die Einleitung dauerte allerdings nur wenige Sekunden, war mit 2-3 Sätzen
abgehakt. Dann wurde er endlich konkret: “Sie waren bestimmt noch nie in Afrika. Schauen sie sich mal an, wie das da abläuft.” Daraufhin fehlte mir der Konter und ich antwortete mit “Na, Sie scheinen mich aber gut zu kennen.” (Ich war tatsächlich noch nie in Afrika, wollte aber lässig wirken.)

kluck

Und jetzt passierte etwas sehr eigenartiges. Etwas, was ich mir bis heute nicht erklären kann. Er sagte “Wissen sie, als ich meinen Wehrdienst (siehe oben) machte, habe ich keinen Zentimeter unseres Vaterlandes hergegeben.” Das sagte er natürlich nicht ganz genau so, aber so ähnlich. Ich war erstaunt, glotze kurz, und sagte dann, mit einer Geste auf seinen Stand weisend: “DVU oder FDP?” Daraufhin er: “DVU? Was ist das?” (Hier sei erklärt, dass er natürlich wusste, was die DVU ist. Er erledigte seinen Move mit souveräner Süffisanz.)
Nun schon mein Schlusswort: “Kennen sie nicht? Na, dann sollten sie sich mal darüber informieren. Das könnte Sie eventuell interessieren. Schönen Tag noch.”

Ein wenig später kehrte ich nochmals zum Ort der Verwunderung zurück. Mittlerweile war er in ein sehr emotionales Gespräch in Sachen Stuttgart 21 verwickelt. (Sie wissen schon, die Tieferlegung des Flughafens dieser Stadt.) Ich hörte ihn noch sagen “Stuttgart ist eine Weltstadt!”, und beschloss dann umgehend einen Burger bei Udo Snack brauchen zu wollen.

Abschliessend ein Zitat vom Mann mit tollem Namen, gefunden auf seiner Homepage:
“Weil Politik mit dem Kopf und nicht aus dem Bauch heraus gemacht werden muss”

Schrieb ich oben bereits, dass ich meinen Besuch des Landtags nur leidlich neugierig antrat, liegt der Grund hierin:
Zwischen Bauch und Kopf befindet sich noch etwas. Und dieses gewisse Etwas ists, das ich mir auch von Menschen, die im Sinne anderer entscheiden sollen und wollen, wünsche.
Im für mich besten Falle entscheidet das Herz über Kopf und Bauch. In diesem Sinne …

1 Kommentar

  • 30. Jul 201019:07
    Von Armoniac

    Hi Putte, ich kann mir leider keine eigene Meinung darüber bilden, ob der Herr ein Herz hat oder nicht, weil ich ja nicht dabei war und auch nur weiß, was er zu Dir nicht ganz genau so gesagt hat. Aber ich finde es sehr nett von ihm, dass er auf Dich zugekommen ist und Dich angesprochen hat! :)

    Übrigens, Dein “juristischer” Impressumstext gefällt mir sehr gut! Weiter so!

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