Der erste Streich!
Gestern also gabs den Schwabenstreich auf dem Stuttgarter Marktplatz, oder besser gesagt: Den Auftakt zu dem nun täglich um 19 Uhr stattfindenden Schwabenstreich über das Stadtgebiet verteilt.
Tausende Menschen versammelten sich um 18:45 Uhr um Regisseur Volker Lösch und Walter Sittler zu lauschen. Ersterer verlas den dazugehörigen Text und erklärte, was es mit all dem auf sich hat. Danach spielten sich Lösch und Sittler die Bälle zu und ermunterten die Menge auf dem Platz, sich von nun an jeden Tag um dieselbe Zeit für eine Minute lautstark für das gemeinsame Ziel Gehör zu verschaffen. Der vom Regisseur gegründete Bürgerchor kam auch wieder zum Einsatz, diesmal allerdings in gänzlich anderer Form. Die 150 Laien des Sprechchors waren in 10er-Gruppen über den Marktplatz verteilt und veranschaulichten den praktischen Umgang dieses Schwabenstreichs. Lösch rief nacheinander die verschiedenen Gruppen auf, sich auf Kommando lautstark hörbar zu machen. Währenddessen verharrte der Rest der anwesenden Leute in Stille, was sogar wunderbar funktionierte. Man bemerkte, dass der Mann vom Schauspielhaus mit großer Erfahrung mit Laien umzugehen vermag. Mich beeindruckte und entzückte das sehr. Zudem rief er alle Leute mit Trillerpfeifen auf, sich auf Zuruf für ein paar Sekunden pfeifend zu melden. Gleiches Prozedere dann mit Vuvuzelas, Kochtöpfen, Rasseln und Blechbläsern.
Hier der erste Teil auf Video. (Zweiter Teil siehe unten):
So schritt die Zeit voran und näherte sich der Premiere. Sittler und Lösch forderten absolute Stille und begannen damit, von 10 auf 0 runter zu zählen. Bei 0 schlug es 19 Uhr, und die Menge begann für 60 Sekunden einen wahrhaft ohrenbetäubenden Lärm zu produzieren. (Man mag kaum glauben, wie lange eine Minute sein kann). Per Handzeichen von der Bühne endete der Spuk schlagartig. Es wurde kurz ruhig und ging dann über in Beifall.
Die Stimmung war sehr ausgelassen, auch die zahlreichen Polizisten schienen sich zu amüsieren. Ein für mich eindrucksvoller Beweis für aussergewöhnliche und kreative Formen des Protests.
Nun darf man gespannt sein, ob das Vorhaben aufgeht. Von heute an werden sich zahlreiche Stuttgarter Bürger täglich um Punkt 19 Uhr akkustisch melden: Egal wo sie sind, stehen, liegen oder sitzen. Alleine von daheim aus bei geöffnetem Fenster, in kleinen Gruppen irgendwo in der Stadt oder sonst wie. Ich bin gespannt, welche Wirkung das entfachen kann und womöglich auch wird.
Und so sehr ich die Zeit der Vuvuzelas zum Teufel wünschte, so sehr mache ich mich nun auf die Suche nach einer solchen und werde, sollte ich um 19 Uhr zuhause sein, das Fenster öffnen und für eine Minute lang den Elefanten machen. Sollte ich mich an einem anderen Ort aufhalten werde ich mir was einfallen lassen.
Der zweite Teil:
Herzlichen Dank an 8mobili fürs permanente Filmen sämtlicher Aktionen. Chapeau!
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29. Jul 2010 • 21:07
Von Axeli
Ich find das gar nicht albern, nur der erste Tag heute war irgendwie nicht klar angekündigt (mal hieß es DO, dann FR zum ersten Mal). Wir haben uns mit vier Leuten im Bereich Falbenhennenstrasse heute (DO) verabredet, dann kamen noch zwei dazu, die im Stau steckten, uns gesehen haben und einfach mit uns auf 19:00 Uhr warteten. Nach dem Krach kam ein älterer Herr vorbei, applaudierte und versprach, morgen dazuzustoßen. Mal seh’n….
29. Jul 2010 • 23:07
Von M B
Super idee – noch standen wenige an einer Kreuzung in Bad Cannstatt, doch morgen werden es schon mehr sein……da bin ich überzeugt.
30. Jul 2010 • 00:07
Von Weltenfrau
Hallo Putte,
Super dieser Beitrag und die Filme dazu, bisher konnten wir an allen VA teilnehmen, doch gestern haben wir was verpasst auf dem Marktplatz, wie ich gerade sehen konnte. Umso mehr Dank für die Live-Mitschnitte.
Jetzt habe ich auch verstanden, warum meine Nachbarn heute abend (muss genau um 7 gewesen sein) nur kurz das Lied “Oben Bleiben” in voller Lautstärke aufgedreht hatten. Ich war ein bißchen enttäuscht, dass es bald vorbei war und das Lied noch nicht zu Ende.
Werde mir noch die geeignete Lärmquelle aussuchen, dann mache ich morgen um 19.00 Uhr mit. Mir gefallen die neuen Ideen, der Protest wird immer kreativer.
Herzliche Grüße
Die Weltenfrau
30. Jul 2010 • 01:07
Von Lindi
Hurasiach, Allmachtsdaggl, Narrakasper, Erdasau,Schafsseggl, Rotzaff, Dreggschbatz, …
Genial, kreativ und urschwäbisch
Wir werden die Politiker und Lobbyisten das Fürchten lehren!
An dieser Kreativität wird Stuttgart 21 jämmerlich zugrunde gehen!
Weiter so – oben bleiben!
30. Jul 2010 • 01:07
Von Emilia Maxim
Die Arbeit mit Volker Lösch ist in der Tat eine großartige Erfahrung und das pure Vergnügen. Für mich eine der vielen Bereicherungen, die der aktive Widerstand hervorgebracht hat.
Ich konnte heute leider nicht weg, aber ich habe die Fenster aufgemacht und Mahler-Sinfonie aufgelegt so laut es ging! Es war herrlich!
Danke für den schönen Bericht!
30. Jul 2010 • 10:07
Von Tinette Schnatterer
Ich bin beeindruckt und obwohl ich zur Zeit nicht in Stuttgart wohne lese ich jeden Tag die Stuttgarter Zeitung weil es unglaublich gut tut zu sehen wie aktiv der Widerstand gegen dieses Wahnsinnsprojekt ist. Viel Erfolg und Durchhaltevermögen!
6. Aug 2010 • 14:08
Von Axeli
Guten Tag an alle Park- und Baumfreunde: Jedes Ding hat zwei Seiten, und ob man es möchte oder ob nicht sollte man immer im Zusammenhang sehen. Für Bäume und Park bin ich natürlich auch.
Aber die “Erweiterung” des Parks durch S21 hat als zweite Seite die extrem lange Bauzeit von MINDESTENS 10 Jahren. Abgesehen von Dreck und Lärm (Rammstöße, LKW-Verkehr) ist danach der Park ja noch gar nicht fertig. Wer räumt das danach frei gewordene Gleisfeld weg, wer den mit Pestiziden (DB hat früher heftig gegen Unkraut gespritzt) und möglicherweise noch anderen Giften belasteten Boden u.s.w. – das ist bis heute nicht geklärt, die Bahn wird das nicht bezahlen, die haben das Geld für den Grund und Boden ja schon längst von der Stadt im voraus kassiert. Eine Planfeststellung dazu gibt es nicht. Bei den klammen Kassen (erst recht nach Fertigstellung, falls das Projekt nicht schon mittendrin steckenbleibt) wäre mir eine sanfte Sanierung des Kopfbahnhofs allemal lieber, und der funktioniert schon, und die JETZT schon freigewordenen Flächen könnte man auch bebauen, aber da will keiner Geld ausgeben, weil gar kein Bedarf besteht. Wieso also neue Bauflächen freimachen?
Wenn dann noch, wie aktuell herausgekommen ist, die geplante Bahn-Infrastruktur ganz klar miserabler ist als die heutige, obwohl uns dauernd das Gegenteil vorgelogen wurde, dann glaube ich auch eher den Landschaftgärtnern.
Die sagen, dass die 280 alten Bäume auch nicht durch die versprochenen 5000 neuen Bäume ersetzt werden können, was ihre CO2-verarbeitende Leistung betrifft, weil sie einfach noch zu klein sind.
Und wenn sie mal in 30 Jahren groß sind, dann gibt es im Park keine Sonne mehr. Weil rechnerisch alle sieben Meter in jeder Richtung ein Baum steht.
Sanft sanieren, dann haben wir ALLE mehr von dem schönen Park, die ganze Bauzeit über!
10. Aug 2010 • 19:08
Von flusser
Das dämliche geklapper geht mir auf die Nerven Ihr Deppen, schlagt Euch gegenseitig auf die Birne, das hilft vielleicht!
10. Aug 2010 • 20:08
Von Oli
hiermit gratuliere ich flusser zum ersten Platz im Niveau-Limbo