Update zum Schwabenstreich
Gestern erreichte uns noch folgende Nachricht:
Stuttgart, 26.Juli 2010
Liebe Gegner von Stuttgart 21
Aufgrund der Ankündigung in der Urlaubszeit mit dem Teilabriss des Bonatz-Baus zu beginnen, möchten wir – Walter Sittler und Volker Lösch –
einen SCHWABENSTREICH initiieren, der sich täglich zur gleichen Uhrzeit wiederholen soll, um Kräfte zu bündeln, eine höhere Präsenz zu erreichen,
die Identität der Protestierenden zu stärken, und um den Widerstand gegen Stuttgart 21 für die gesamte Öffentlichkeit hörbar und sichtbar zu machen.Der Ausdruck Schwabenstreich bezeichnet “eine wagemutige Handlung,
die gewisse intellektuelle Fähigkeiten voraussetzt, und in der Regel
einen vorteilhaften Ausgang für den Handelnden hat.”Nach dem Vorbild der argentinischen Bevölkerung, die 2002 mit leeren Töpfen, Pfannen, Löffeln, Deckeln und weiterem Lärm verursachenden Geschirr auf die Straße ging, um gegen die Regierung zu protestieren,
nach dem Vorbild der iranischen Regimegegner, die täglich auf den Dächeren Teherans ein bestimmtes Lied sangen, möchten wir unseren Protest ab Freitag den 30.7. jeden Abend um 19 Uhr – 120 Sekunden lang – in der ganzen Stadt hör und sichtbar machen.Für diese Aktion braucht es keine Vorbereitung, keine Anmeldung, kein Treffen und keinen spezifischen Ort, man kann sie überall in der Stadt draußen durchführen, jeder kann mitmachen, und jeder kann seine Widerstandsform selber wählen.
Möglich ist das Hupen mit dem Auto, das Tröten einer Vuvuzela, das Benutzen von Trillerpfeifen, das Schlagen gegen Kochtöpfe, das Beschallen mit lauter Musik, das Läuten von Kirchenglocken, Schreien, Singen, chorisches Skandieren und vieles mehr. Man kann sich per SMS ztusammenfinden, Flashmobs durchführen usw.
Startpunkt ist immer 19 Uhr, wenn im Radio die Nachrichten beginnen. Die Aktion kann täglich mehr Mitmacher finden, sie sollte draußen durchgeführt werden, und den fragenden Umstehenden danach erklärt werden.
Wir laden alle Gegner von Stuttgart 21 ein, sich am Mittwoch, den 30.7. um 18:45h am Stuttgarter Rathaus zu versammeln, wo Walter Sittler und Volker Lösch den geplanten ERSTEN SCHWABENSTREICH öffentlich vorstellen werden, und um ihn dann zum ersten Mal gemeinsam durchzuführen.
Bringt alle möglichen Gegenstände mit, die Krach machen. Die erste “Lärmperformance” muss Eindruck hinterlassen – und soll Lust auf mehr machen !
Das kurze Treffen wird nicht länger als 19:15 Uhr dauern.
Ab Freitag – damit am Donnerstag das Vorhaben in ausreichendem Maße angekündigt werden kann – soll der SCHWABENSTREICH dann täglich stattfinden – in der ganzen Stadt, an allen möglichen Orten, von so vielen wie möglich getragen.
Bitte weitersagen, weitermailen, herumsprechen ! Die Aktion wird nur dann erfolgreich sein, wenn sehr viele mitmachen !
Hinweis an den Bürgerchor :
Der Bürgerchor trifft sich bereits um 18 Uhr an der Jubiläumssäule auf dem Stuttgarter Schloßplatz. Wir verabreden dort unsere “Lärmaktion” – (Einteilen der Gruppen, kurzes Anproben) und gehen dann gemeinsam zum Rathausplatz.
Herzliche Grüße von
Walter Sittler und Volker Lösch
Das ganze gibts als pdf hier
Weiterhin wird es heute Abend eine zusätzliche Aktion am Nordeingang des Hauptbahnhofes geben, wie bei Abriss Aufstand schreibt.
Unter dem Motto Literaten gegen den Bahnhofsabriss läuten Stuttgarter Autoren am Mittwoch, den 28. Juli 2010 ab 20:30 Uhr den neuen Kulturmittwoch am Nordflügel des Hauptbahnhofs ein. Elisabeth Kabatek, Stefanie Wider-Groth und Heinrich Steinfest lesen aus eigenen Werken. Der bekannte Stuttgarter Schauspieler Walter Sittler unterstützt sie mit Kästner-Texten.
Wir empfehlen unbedingt mitzumachen und hinzugehen! Denn während die Schmierfinken der Stuttgarter Nachrichten heute schon wieder ungestraft versuchen dürfen dem Stuttgarter Polizeipräsidenten ein Statement zu entlocken, daß den Widerstand gegen Stuttgart 21 in die Ecke linksradikaler Terroristen stellt, ist es eine gute Gelegenheit zu beweisen, daß eben eben doch nur friedlich, bunt und kreativ zur Sache geht.
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28. Jul 2010 • 21:07
Von Jochen Findeisen
Hervorragende Idee – unsere Genossen sind informiert!
Wir unterstützen Eure Aktion!
DIE LINKE, Kreisverband Esslingen
Jochen Findeisen
Pressesprecher
29. Jul 2010 • 13:07
Von Armoniac
Ihr seid für Argumente ja gar nicht mehr erreichbar. S21 wurde demokratisch (!) entschieden. Jetzt wehrt Ihr Euch mit unlauteren Mitteln dagegen und behauptet z. B., die Bäume würden verschwinden (klar, dass Ihr da Zulauf bekommt: von lauter Leuten, die keine Ahnung haben), obwohl es danach viel mehr Bäume geben wird als vorher. Euch kann man doch nichts recht machen. Euch gehts doch nur darum, zu protestieren, weil Ihr da nette Leute treffen, ein bisschen Abenteuer haben und Bier trinken könnt. Die großen Revolutionäre! Wie bewundernswert. Ich finde Euch einfach nur peinlich – denn durch EUCH wird doch alles noch teurer!
Gibt es keine Möglichkeit, Euch umzustimmen?
Wie wärs, wenn Ihr das ganze viele Geld, das Ihr für Eure “Oben-bleiben”-Buttons und für Eure destruktiven Aktionen verbraucht, einfach mal denen geben würdet, die sich sehr viel länger und intensiver mit S21 beschäftigt haben, damit die damit eine TEURERE Aufklärungskampagne finanzieren können, so dass auch Ihr verstehen könntet, dass die Tieferlegungen gut und notwendig sind?
29. Jul 2010 • 14:07
Von putte
Armoniac, jedem seine Meinung. Sei aber versichert, dass sehr viele der Kopfbahnhofbefürworter gut informiert sind. Zig Expertenmeinungen sind einsehbar, dazu kommen die vielen Berichte und Reportagen verschiedenster Medien zum Thema.
Dein letzter Absatz ist an Absurdität kaum zu überbieten: Nicht wir, die Gegner von S21 haben das viele Geld, sondern die Macher des Projekts. Die Agentur “die Crew”, verantwortlich für die Werbung, bekam erst vor ein paar Monaten 550 000 Euro überwiesen. Von den Millionen für das Kommunikationsbüro des Herrn Drexler ganz zu schweigen. Das Geld für die Buttons, Aufkleber, etc. hingegen wird von Bürgern gespendet.
Oh, und eines sollte man bei all dem nicht vergessen: Stuttgart 21 wird von dir, mir und allen anderen Menschen bezahlt. Gerne mache ich das nicht.
29. Jul 2010 • 15:07
Von Armoniac
Ja, aber siehst Du nicht: Diese “Eure” bzw. “unsere” 550 000 Euro (und Du deutest ja sogar noch mehr an) hätten NICHT verschwendet werden müssen, wenn Ihr in letzter Zeit nicht so eine gewaltige Stimmung gegen das DEMOKRATISCH entstandene und daraufhin BEGONNENE Projekt gemacht hättet. Oder was sehe ich da jetzt falsch?
Ich hätte jedenfalls sehr GERNE einen größeren Schlosspark. Als möglicherweise etwas wechselhafter Mensch hatte ich mich damals ebenfalls bei den “Parkschützern” eingetragen, auf Bitte eines Bekannten, aber auch mit dem klaren eigenen Ziel, den bösen, bösen (Spaß) Machern von S21 mit signalisieren zu können, dass der Park nach den Umbauten größer sein muss als vorher, dass er nicht groß genug (!) sein kann (ich hatte diese Gründe für mein Verhalten damals auch offen gepostet bei den “Parkschützern”). Und ich denke, das haben wir zusammen erreicht! Oder etwa nicht?
Dadurch aber, dass es jetzt so viele “Parkschützer” gibt, meint Ihr, eine Mehrheit entwickeln zu können. Aber wie gesagt: ICH jedenfalls war bzw. bin zwar immer noch in Eurer Liste, aber OHNE mich weiterhin an Eurer großen Revolution beteiligen zu können. Und möglicherweise bin ich nicht der einzige, der leider Gottes so schwach ist, Euch nicht weiter unterstützen zu können, sondern gehöre zu denen, die sich einfach nur auf den riesigen Park freuen.
Ich will also, wie gesagt, einen größeren Park. Und den würde ich NICHT bekommen, wenn ich den armen, vermeintlichen Bösewichten, die eben diesen größeren Park jetzt halt auch endlich mal bauen wollen (und das eben auch so schnell wie möglich!), weiteren Stress machen würde.
ABER ich gelobe: Sollte der neue Park nach den Bauarbeiten nicht DEUTLICH größer und schöner als der alte sein, DANN werde ich mich Euch wieder anschließen!
DANN will ich ein “PARKRÄCHER” sein!
29. Jul 2010 • 16:07
Von putte
Dein Argument für S21 ist also ein deutlich größerer Park? Nun gut. Mir ist er groß genug und würde meine Argumente gegen das Projekt niemals aufwiegen können. Die Sache mit der Demokratie ist ein zweischneidiges Schwert: Da ist zum einen die formaljuristische, parlamentarische Demokratie in Zeiten großer Politikverdrossenheit. Und dann gibts die “gelebte” Demokratie, die sich auch ziwschen den Wahlen nach Wunsch und Willen der Bürger richtet. Aus diesem Grund wurde 2008 die Bürgerbefragung mit 67000 Stimmen forciert, die aber niemals stattfand. Wenn ich sehe, wie groß und deutlich die Ablehnung der Stuttgarter hinsichtlich eines tiefergelegten Bahnhofs ist, fehlt mir der wahre demokratische Aspekt in dieser Geschichte. Zu einschneidend und massiv ist dieser Einschnitt im Zentrum unserer Stadt auf dass ich still halten könnte. Wüsste ich, dass eine Mehrheit hinter S21 steht, würde ich das akzeptieren. So aber gehe ich weiterhin jeden Montag auf die Strasse.
Deine Haltung sei dir jedoch ungenommen, denn genau DAS ist eben gelebte Demokratie.
29. Jul 2010 • 21:07
Von Armoniac
ja, Putte, mein Argument (und ich denke, es ist nicht nur meins) ist ein deutlich größerer Park. Weil ich eben Bäume mag. Aber auch das ist ein Argument (bei “Hintergrund”): http://dieunendlichestadt.blogspot.com/2010/07/architektur-wettbewerb.html
Mit solchen langfristigen Argumentationsversuchen kann man den meisten zwar nicht kommen (“Wie? Das ist mir jetzt aber zu weit hergeholt! ICH leb doch HEUTE!”, aber letztendlich SIND es Argumente, und in meinen Augen nicht nur weitere, sondern sogar wichtigere – aber wer versteht das schon ernst!
6. Aug 2010 • 14:08
Von Axeli
Guten Tag an alle Park- und Baumfreunde: Jedes Ding hat zwei Seiten, und ob man es möchte oder ob nicht sollte man immer im Zusammenhang sehen. Für Bäume und Park bin ich natürlich auch.
Aber die “Erweiterung” des Parks durch S21 hat als zweite Seite die extrem lange Bauzeit von MINDESTENS 10 Jahren. Abgesehen von Dreck und Lärm (Rammstöße, LKW-Verkehr) ist danach der Park ja noch gar nicht fertig. Wer räumt das danach frei gewordene Gleisfeld weg, wer den mit Pestiziden (DB hat früher heftig gegen Unkraut gespritzt) und möglicherweise noch anderen Giften belasteten Boden u.s.w. – das ist bis heute nicht geklärt, die Bahn wird das nicht bezahlen, die haben das Geld für den Grund und Boden ja schon längst von der Stadt im voraus kassiert. Eine Planfeststellung dazu gibt es nicht. Bei den klammen Kassen (erst recht nach Fertigstellung, falls das Projekt nicht schon mittendrin steckenbleibt) wäre mir eine sanfte Sanierung des Kopfbahnhofs allemal lieber, und der funktioniert schon, und die JETZT schon freigewordenen Flächen könnte man auch bebauen, aber da will keiner Geld ausgeben, weil gar kein Bedarf besteht. Wieso also neue Bauflächen freimachen?
Wenn dann noch, wie aktuell herausgekommen ist, die geplante Bahn-Infrastruktur ganz klar miserabler ist als die heutige, obwohl uns dauernd das Gegenteil vorgelogen wurde, dann glaube ich auch eher den Landschaftgärtnern.
Die sagen, dass die 280 alten Bäume auch nicht durch die versprochenen 5000 neuen Bäume ersetzt werden können, was ihre CO2-verarbeitende Leistung betrifft, weil sie einfach noch zu klein sind.
Und wenn sie mal in 30 Jahren groß sind, dann gibt es im Park keine Sonne mehr. Weil rechnerisch alle sieben Meter in jeder Richtung ein Baum steht.
Sanft sanieren, dann haben wir ALLE mehr von dem schönen Park, die ganze Bauzeit über!