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Weich gegen hart – her mit dem runden Tisch

Die Macher gehen in die Offensive und bieten einen runden Tisch an. An der Seite von Bahnchef Grube sollen Landespapa Stefan Mappus und die Verkehrsministerin Baden Württembergs, Tanja Gönner, (beide CDU) auf eine Delegation der Kopfbahnhoffreunde treffen. Wie soeben auf SPIEGEL online gelesen, wurde diesem Wunsch wohl eine Absage erteilt. Grund: Baustopp ist Bedingung fürs Gespräch, sagt die Kopfbahnhoffraktion. Grube aber wird seinen Kurs nicht ändern. Nichteinmal eine Baupause während der Unterredung käme für ihn infrage. Das ginge aus vertraglichen Gründen nicht und würde nur unnötige Mehrkosten bedeuten, sagte er.

Es erscheint auf den ersten Blick nachvollziehbar, dass das Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 so reagiert, denn Sinn und Unsinn dieses Gespräches sind wahrscheinlich bereits im Vorfeld ausmachbar. Hier eine überaus knappe Zusammenfassung eines möglichen Szenarios des Gespräches:

Tiefbahnhof: Wir bauen. Hören Sie bitte auf zu demonstrieren.

Kopfbahnhof: Nö. Hören Sie bitte auf zu bauen.

Tiefbahnhof: Nö. Wir können aber gerne noch einen Kaffee zusammen trinken.

Ich plädiere dennoch für eine Zusage seitens der Kopfbahnhofbefürworter, aus einem ganz bestimmten Grunde:

Die Stuttgarter Protestbewegung besticht vor allem aufgrund ihres nicht von der Politik instrumentalisierten Charakters, der sich aus  allen Gesellschaftsschichten und Altersklassen zusammensetzt. Hier liegt diese anziehende Sympathie. Nicht umsonst blickt die Nation derzeit augenreibend in unseren Kessel, entspricht dieser bunte Widerstand doch nicht dem gängigen Klischee anderer Proteste. Diesem womöglich entscheidenden Umstand müsste Folge geleistet werden, würde es an den runden Tisch gehen.

rundertisch

Es wäre aus meiner Sicht fatal, schädigend und den Demonstrierenden gegenüber respektlos, würde man das Gespräch vor allem zu einem Schlagabtausch von Politikern zweier Parteien machen – CDU versus Grüne. Das würde jener alten Schule entsprechen, die dieser Bewegung für den Kopfbahnhof keinesfalls entspricht. Alleine das mediale Bild, die Parteinamen in Klammern hinter den Beteiligten, wäre der Sache nicht gerecht.

Selbstverständlich braucht es einen sachkundigen Verkehrsexperten, der sich umfassend mit der Thematik Stuttgart 21 auseinandergesetzt hat. Denn auf dieser (und der finanziellen) Ebene werden die Projektbefürworter argumentieren. Und nur auf dieser. Deshalb:

Es ist wichtig, die weichen Faktoren dieses Widerstands angemessen zu vertreten. Wer also käme für diese Aspekte in Frage? Gesetzt wäre für mich in jedem Falle Walter Sittler. Der Schauspieler versteht es, die Belange vieler bürgernah auf besonnene Weise zu artikulieren. Auch Hannes Rockenbauch bekäme meine Unterstützung, schafft er es doch dem Bild eines Politikers einen neuen, frischen Anstrich zu verleihen. Ein weiterer Kandidat könnte Volker Lösch sein. Der Regisseur vermag es ebenso in eigener Sprache für das Ansinnen der Demonstranten aufzutreten.

Obschon der unbewegliche Ausgang eines solchen Aufeinandertreffens absehbar wäre, sähe ich eine große Chance für die angesprochene Aussendarstellung der medialen Berichterstattung: Rationalität gegen Lebendigkeit. Letzteres ist das große Potenzial der Protestbewegung und es würde mich regelrecht ärgern, käme diese Stärke gegenüber Grube, Mappus und Gönner nicht zu einer angemessenen Geltung. Abschliessend will ich in die Vollen gehen:

“Das Weiche besiegt das Harte” (Laotse)

Heute: Menschenkette

Freitag, der 13. Heute vor 49 Jahren began der Mauerbau in Berlin. Und seit heute morgen, 5:45 Uhr, wird am Stuttgarter Bahnhof erstmals ganz offensichtlich zurückgebaut und auch äusserlich abgerissen.

Deshalb ist dieser Tag für diese Stadt kein ganz gewöhnlicher. Die Medien verbreiten fleissig die Photos eines Abrissbaggers, der das Vordach am Nordflügel brachial entfernt, sämtliche Zeitungen des Landes ist dies eine Nachricht wert.

Und was passiert auf der anderen Seite des Bauzauns?

Heute abend um 20 Uhr wird es eine Menschenkette rund um den Bahnhof geben. Dazu gibts Musik, es werden Kerzen ausgeteilt. Um 20:30 Uhr wird die Kette geschlossen um daraufhin eine Schweigeminute einzulegen.

Nach der Menschenkette gehts, zusammen mit den Musiker, in den Park. Abschluss wird um 21:30 am Widerstandsbaum sein. Dort kann man dann mit Timo Brunke das Lied “Freunde schöner Kopfbahnhöfe” singen.

Hier gibts einen Lageplan für die Kette.

Es ist interessant, welche Tage sich die Deutsche Bahn für ihre symbolischen Schritte des Abrisses aussucht. Vielleicht sind diese Entscheider naiv, oder aber sie haben einen ausgeprägten Drang zur Provokation. Man weiss es nicht.

Die Kopfbahnhoffreunde und Gegner eines äusserst zweifelhaften Großunternehmens jedenfalls werden wohl nicht nachlassen. Zu groß ist die Wut. Ich bin gespannt wie der Abend verlaufen wird und hoffe, dass alles so friedlich wie gewohnt ablaufen wird.

Auch unser Oberbürgermeister meldete sich heute morgen zu Wort: “Auch die klare Mehrheit stand 1995 hinter dem Projekt!”

So also sieht das Demokratieverständnis des Herrn Schuster aus. Nun denn, bis heute Abend.

Protestkultur

Als vor zwei Wochen das Wetter noch ganz prima war und sich viel zu wenig tausend Menschen im Schloßgarten versammelt hatten, um ihren Unmut über den von Bahn, Bund, Stadt und Land vorangetriebenen Wahnsinn kundzutun, gab es etwas abseits und ein klein wenig später eine sympathische Aktion der Subkultur 21 Macher.

“Schütz den Park! Rave den Park!” nannte sich das ganze und war, wie ich finde, ein schöner Kontrast zu dem Allerweltsmusikprogramm am Nachmittag mit so todsterbenslangweiligen Musikanten wie Max Herre.

Und überhaupt muß mal gesagt werden, daß es ganz hervorragend ist, wie im Widerstand gegen Stuttgart 21 jeder seins dazu beiträgt auf diesen Mißstand aufmerksam zu machen. Noch vor zehn Jahren wäre es wohl undenkbar gewesen, daß ein paar Jugendliche sich eine Anlage und einen Generator schnappen, ihn irgendwo im Schloßgarten aufbauen und damit eine politische Meinung vertreten. Damals wären sie vermutlich zur Loveparade gefahren, wären völlig verstrahlt um den Wagen der jungen Union rumgehüpft und hätten sich für “Friede, Freude, Eierkuchen” eingesetzt.

Und das ist es, was wir uns unbedingt bewahren müssen! Selbst wenn Stuttgart 21 jemals kommen sollte, darf es nie wieder passieren, daß im Stuttgarter Rathaus jemand aus Großmannssucht ein Projekt vorantreiben kann, daß niemand will und nur wenigen nutzt. Von Anfang an muß solchen wildgewordenen Häuslebauern der Wind so massiv ins Gesicht pusten, daß sie sich nicht trauen werden ein zweites mal solche Fantastereien auszusprechen. Damit muß in Stuttgart ein für Allemal Schluß sein!

Und so kleine Gruppen, wie Subkultur 21, tragen mit ihren sympathischen Aktionen ihr Schärflein dazu bei, daß in Stuttgart in Zukunft auf das Volk gehört werden wird. Wenn sich bei bestem Wetter viele kleine Hundertschaften ihren Schloßgarten nehmen wird sich niemand mehr trauen ihnen ihren Schloßgarten wegzunehmen.

Fahrräder erobern die Stadt!

Unsere Stadt fährt Fahrrad. Eine sehr feine Idee samt Umsetzung findet sich hier. Vor ein paar Tagen machte der Tross von ca. 30 Radlern am Palast der Republik halt und es war toll mit anzusehen, wie die Gruppe via Theodor-Heuss Strasse angerauscht kam. Super!

critical mass

Aktion Kultur im Park

Soeben erreichte uns folgende Nachricht, die wir selbstverständlich sofort weitergeben möchten:

Die Parkschützer starten am Pfingstsamstag die Veranstaltungsreihe „Kultur im Park“. Dabei präsentieren die Befürworter des Projekts „Kopfbahnhof 21“ in loser Reihenfolge Veranstaltungen, Kurse und Ausstellungen aus den unterschiedlichsten Bereichen des kulturellen Lebens in Stuttgart. Den Auftakt bildet eine Yoga-Stunde. Alle Veranstaltungen finden im mittleren Schlossgarten statt.

Yoga im Park für den Park

Samstag, 22. Mai, 14 –15 Uhr
Treffpunkt: Bei trockenem Wetter an den Wasserspielen beim Landespavillon

Es werden von mehreren Yogalehrerinnen und Yogalehrern Asanas (Yoga-Übungen) unterrichtet, die dehnen, anregen, kräftigen und entspannen. Das Üben findet im Zeichen von Ahimsa (Gewaltlosigkeit) statt.

Vorkenntnisse sind keine nötig. Bitte eine Yoga-Matte oder eine ähnliche Unterlage mitbringen.

Spenden gehen an die Parkschützer.
Für Rückfragen: julianebacher@gmx.net

Unsere Stadt und Du

Wir sind mündige Bürger. Wir leben, arbeiten und verbringen unsere Zeit hier.

Stuttgart ist vielfältig und nicht das Rathaus, sondern wir alle.
Wir haben die Chance, uns gemeinsam das Recht auf Stadt zu nehmen.
Im demokratischen Sinne gemeinsam diesen Raum beleben und
gestalten, mit Ideen, Herz und Verstand. Das aber geht nur
unter der Vorraussetzung, uns mehr einzubringen als
lediglich alle paar Jahre ein Kreuzchen zu setzen. Stimmung
drehen und selber machen, die vielen verschiedenen Formen
mit Inhalten füllen, die über das eigene Ego hinausgehen.
Ob wir wollen oder nicht: Wir leben nicht isoliert, sondern
gemeinschaftlich. Da ist genug Platz für all die
Schrulligkeiten, Überzeugungen und Differenzen – all das
macht uns aus. Schluss mit dieser vermaledeiten Ohnmacht und
der Lethargie, auch wenns nachvollziehbar ist.

stadt der kinder

Es ist an der Zeit, dem gegenwärtigen Treiben auf konstruktive Art und Weise Einhalt zu gebieten, bevor wir das ganze noch vollends an die Wand
fahren.

Spricht Dich das an? Dann her mit den Ideen. Das ist unsere Stadt.

Buttons? Buttons!

Für die Kleinen und die Großen, die Aktivisten und solche, die es noch werden wollen, die Modebewussten und die Leute von heute, die sonst was auf sich halten, aber auch alle Anderen: für die Veranstaltung in den Wagenhallen am 08.05. im Rahmen der Aktionswoche steht uns eine Buttonmaschine zur Verfügung, mit der sich die Besucher ihre Buttons unter Anleitung selbst machen können. Und das geht ungefähr so:

Raum suchen, Raum finden!

Im September müssen die Waggon-Leute die wunderfeine und bunte Wagenkolonie am Nordbahnhof verlassen. Nach dann 11 Jahren ist dort endgültig Schluss. Und weils dennoch weitergehen soll, wenn auch an anderer Stelle, braucht es neuen Raum. Ich glaube wir täten gut daran die Augen und Ohren offen zu halten, um genau diesen zu finden. Dazu ist es wichtig mitzuteilen, wenn irgendjemandem irgendwo etwas auffällt, was dafür eventuell infrage käme. Manchmal passierts ja, dass man vom hören-sagen etwas mitbekommt, und wer was weiss, darf sich gerne melden.

Es ist zu wenig nun einfach aufs Glück zu hoffen, dass sich etwas auftut. Und sollte es Ideen geben, spräche nichts dagegen, diese der Stadtverwaltung mitzuteilen. Denn ob Subkultur oder nicht: Die Waggons haben diese Stadt über viele Jahre hinweg bereichert und mit Kultur beschenkt, und dahinter sollte man sich alles andere als verstecken.

Tipps sind herzlich willkommen.

waggons

Aerobic-Workshop auf dem Marienplatz?

.marienplatz

Der Marienplatz. Unendliche Weiten auf Beton. Im Ernst, ist es das, was die Leute von heute wollen? Freifläche und Raum sind feine Dinge, aber spricht denn etwas dagegen, diesen Platz ein wenig freundlicher zu machen? Ein bißchen Rasen hier und da, ein paar Bänke drumherum. Wie immer ist das vorallem eines: Geschmackssache. Was aber, würde beispielsweise jemand auf die Idee kommen, einen Aerobic-Workshop auf dem Marienplatz anzubieten? Ideen dieser Art könnte man durchaus mal angehen.

Und wenn man sich fragt, warum der Marienplatz so aussieht, wie er aussieht, möge man hier die Antwort finden. www.beton.org? Ah, verstehe. Dazu ein Zitat der Seite:

“Die schöne Leichtigkeit schließlich resultiert aus der individuellen Farbstellung Goldgelb in Kombination mit Edelsplitten im stahlkugelgestrahlten Plattenvorsatz. Der Projektname ist Programm: Sonnenplatz.”

Her mit euren Ideen

Es gibt viele gute Ideen zum Thema Stadt, die weder Stadtplanern, Soziologen, Architekten oder sonstigen Fachleuten entspringen, sondern in den Köpfen ganz normaler Bürger spuken. Diese Ideen interessieren uns, und deshalb würden wir sie gerne aus den Köpfen holen. Wer eine hat, ist eingeladen sie hier per Kommentar zu teilen, oder uns via mail zu schicken:

info at unsere-stadt.org